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Elena StarmĂĽhler ist good at Richtung geben.

Elena Starmühler führt FORA in Wien – eine Beratung für Strategie und Kommunikation mit dem Blick fürs Wesentliche. Aus Hotellerie und Agenturwelt bringt sie zwei Dinge zusammen, die selten gemeinsam gedacht werden: Servicekultur und strategische Klarheit. Im Gespräch geht es um mutige Entscheidungen, saubere Prozesse und darum, warum gute Beratung oft dort beginnt, wo man aufhört, sich hinter Rollen zu verstecken.

Elena StarmĂĽhler

Liebe Elena, du hast in der internationalen Hotellerie begonnen. Was hat dir diese Zeit ĂĽber Menschen, Erwartungen und Kommunikation beigebracht?

Im Hotel ist jeder Tag komplett anders. Jeden Tag kommen neue Menschen, möchten neue Erlebnisse und stehen im Zweifel auch vor neuen Herausforderungen. Das bedeutet: Maximale Lösungsorientierung ist Daily Routine. Das frühzeitig zu lernen, hilft auch in allen anderen Branchen und Jobs immens weiter. Als Add-on lernst du im Hotel, dass du die Lösungen nicht alleine finden musst, weil das gar nicht geht. Es braucht immer mehrere Menschen oder Abteilungen. Das bedeutet, dass man bald lernt, sich in Gruppen zu organisieren und eine Sache gemeinsam ins Ziel zu bringen.

„Ein Kunde meinte mal, dass wir eine Agentur mit FĂĽnf-Sterne-Hotel-Service wären und das ist mit eines der schönsten Komplimente fĂĽr mich.“

Was aus der Hotellerie nutzt du heute in FĂĽhrung und Kundenarbeit wirklich noch jeden Tag?

Gastgeberin zu sein bedeutet für mich so viel mehr, als im Hotel zu arbeiten. Ich bin das immer und ständig. Mitarbeiter:innen sollen sich im Büro wohlfühlen, daher sieht es schön aus und hat alles, was man braucht. Kund:innen sollen nie hungrig oder durstig bleiben. Ich möchte, dass sie sich willkommen und umsorgt fühlen. Mir ist wichtig, dass man an Tischen zusammenkommt, dass man zusammen isst oder sich austauscht. All das versuche ich in unterschiedlichen Formaten oder bei kleinen Terminen unterzubringen. Wenn Menschen neu in der Stadt sind, stelle ich Karten mit Restaurants und Ausflügen zusammen. Wenn Leute im Nebensatz erwähnen, dass ihre Kinder in einer anderen Stadt eine Wohnung suchen, checke ich meine Kontakte. Ganz so, wie man es an der Rezeption macht. Ein Kunde meinte mal, dass wir eine Agentur mit Fünf-Sterne-Hotel-Service wären, und das ist eines der schönsten Komplimente für mich.

Die andere Sache ist, dass ich mich jeden Tag in meinem Kopf sagen höre: Es gibt immer eine Lösung. Denn es gibt tatsächlich immer eine. Das lernt man im Hotel schnell, aber es hilft einfach bei der Büroarbeit genauso.

Und zuletzt: Es ist alles nicht so wichtig, wie wir annehmen, und man sollte fast alle Situationen (gesundheitliche Probleme ausgeschlossen) erst mal mit Humor betrachten.

Wann kam bei dir der Moment, an dem klar war: Ich wechsle in Richtung Strategie und Kommunikation?

Ich wollte meinen Master noch machen und habe im hotel in Berlin bemerkt, dass Kommunikation und die Vermarktung des Hauses besonders viel SpaĂź machen, also habe ich mich dahin orientiert.

Du warst dann mehrere Jahre in Berlin in der digitalen Agenturwelt. Was war dort fĂĽr dich die wichtigste Schule?

Der Geschäftsführer meiner damaligen Agentur Lukas Kircher hat mir  gezeigt, wie man Menschen führt, indem man ihnen vertraut. Er hat in mir so unglaublich viel Potenzial unlocked, weil er bedingungslos an meine Skills und mich geglaubt hat. Ich bin bis heute sicher, dass das die beste Form der Führung ist, weil wir damit Menschen nicht nur zum selbstständigen Denken und Handeln entwickeln, sondern auch zu mehr Selbstbewusstsein. Als Geschäftsführerin gebe ich natürlich Ziele, Rahmen und Arbeitsbedingungen vor, aber jede weitere Einschränkung hemmt die Entwicklung.

Erinnerst du dich an den Moment, in dem klar war: Ich übernehme den Familienbetrieb? Und was war der Auslöser?

Ich hatte Angebote von anderen Agenturen in Berlin, aber mein Vater fragte mich, ob ich über die Zahlen seines Unternehmens schauen möchte, da sie an Verkauf denken. Sie hatten mir immer gesagt, dass ich es haben kann, aber nicht nehmen muss. Meine Eltern haben ihr Unternehmen nicht für ihre Kinder gegründet, sondern für sich.

„Es gibt immer eine Lösung. Denn es gibt tatsächlich immer eine.“

Was war bei der Übernahme schwieriger: das Operative oder das Emotionale, also Rollen, Erwartungen, Loyalitäten?

Ganz klar das Emotionale. Es war so viel anstrengender, als ich geplant hatte. Aber vor allem deswegen, weil ich eine zu klare Vorstellung davon hatte, wie es laufen wird. Zu klare Vorstellungen sind sowieso nicht hilfreich im Unternehmerinnentum, weil es sowieso oft anders kommt. :) Ich bin von einer 800-Personen-Agentur auf 15 Personen gesprungen. Von Berlin nach Wien. Und the cherry on top war noch, dass ich relativ jung war und eine Frau, also für österreichische Verhältnisse sehr untypisch (offenbar). Da muss man sich den Platz am Markt erst mal erarbeiten.

Das Operative war total easy. Ich berate Unternehmen im Wachstum oder in der Verkleinerung. Die Anpassung von Prozessen wird einfach, sobald man einen pragmatischen Blick darauf hat. Und ich verstehe Marken und Kommunikation.

Wie schĂĽtzt man in einem Familienbetrieb das Gute aus der Vergangenheit, ohne im Gestern stecken zu bleiben?

Indem man Werte und Haltung hat und diese auch immer sichtbar nach außen trägt.

Was hat sich durch den Schritt zurück nach Wien für dich verändert, beruflich und persönlich?

Wien ist so viel ruhiger als Berlin. Daran muss man sich gewöhnen. Anfangs fehlten mir die Menschen auf der Straße und die Geschwindigkeit des Business. Mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen und verstehe auch, was es bedeutet, in Österreich Business zu machen. Es ist tatsächlich ein kultureller Unterschied auf allen Ebenen.

Du hast die Agentur später umbenannt und als FORA neu positioniert. Was wolltest du damit neu setzen, und wovon wolltest du dich lösen? FORA beschreibt sich als Agentur und Beratung. Warum war dir diese Doppelrolle wichtig?

Ich wollte einen Namen, der nicht an mir hängt, damit sich andere Menschen damit identifizieren können.

Agentur und Beratung gehen fĂĽr mich ganz logisch Hand in Hand. Gerade in Zeiten von KI geht ohne Beratung und Begleitung gar nichts.

„Struktur ist immer dann hilfreich, wenn sie so verstanden wird, dass sie den Rahmen vorgibt, der Menschen maximalen Freiraum fĂĽr Kreativität gibt.“

FORA spricht stark ĂĽber Struktur, Prozesse und Organisation. Wann wird Struktur hilfreich, und wann wird sie zur Ausrede?

Struktur ist immer dann hilfreich, wenn sie so verstanden wird, dass sie den Rahmen vorgibt, der Menschen maximalen Freiraum für Kreativität gibt. Das fängt damit an, nicht unnötig nach Dokumenten zu suchen, und hört dort auf, wo alle im Team die Unternehmensstrategie verstehen und umsetzen können. Struktur wird dann zur Ausrede, wenn nichts weitergeht und niemand verantwortlich sein möchte.

Welche Entscheidungen in den letzten Jahren waren die unpopulären, aber richtigen, aus deiner Sicht?

Die Umbenennung, der Büro-Umbau, neue Prozesse etc. – es war alles sehr, sehr viel Change innerhalb eines Jahres. Damit habe ich mir nicht nur Freund:innen gemacht, aber ich bin Fan davon, klare Entscheidungen schnell umzusetzen und nicht allzu lange zu ziehen. Im Endeffekt war das richtig, weil wir uns sonst drei Jahre damit auseinandergesetzt hätten.

„Zu klare Vorstellungen sind sowieso nicht hilfreich im Unternehmerinnentum, weil es sowieso oft anders kommt.“

Wie gehst du mit dem Spannungsfeld um: Kundenerwartung und Performance auf der einen Seite, eigene Haltung und Kultur im Unternehmen auf der anderen?

Das ist für mich kein Spannungsfeld, weil meine Haltung so klar kommuniziert ist, dass nur Menschen mit einer ähnlichen Haltung bei uns arbeiten und wir ausschließlich mit Menschen kooperieren, die das auch so sehen. Ich empfinde da eine sehr hohe Verantwortung bei Kommunikator:innen. Wir könnten alle sehr viel verändern, wenn wir uns ein bisschen ernster nehmen würden.

Die Freiheit zu entscheiden, mit wem ich berufliche Zeit verbringen möchte, möchte ich nie wieder missen.

Wenn du FORA heute als deine eigene Sache beschreibst, was ist der Kern, den du niemals wieder hergeben wĂĽrdest?

FORA ist ein Ort des Zusammenkommens und des Zusammenbringens. Marken und Menschen, Menschen und Menschen, Marken und Marken … was auch immer, aber wir sind Anlaufstelle dafür. Und dafür, dass Menschen oft an einem Tisch zusammenkommen.

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Mehr ĂĽber FORA gibt es hier.

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