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Felix Häusler ist good at Zukunft vorhersagen. 

Felix Häusler ist Product Strategy Lead bei WILD und Gründer von FirmaDigital. Mit Erfahrung in Strategie, Technologie und digitaler Produktentwicklung begleitet er Marken dabei, digitale Innovation greifbar zu machen – klar, relevant und menschlich gedacht.

Felix Häusler

Lieber Felix, freut mich, dass wir sprechen! Ich fand euren Talk bei CM sehr spannend und erfrischend geerdet, was den ganzen KI Hype angeht. Steigen wir also einfach direkt ein:
Was ist aus deiner Sicht der realistische Status zum Thema KI? Was funktioniert ĂĽberhaupt nicht so gut, wie uns die Tech-Giganten glauben lassen wollen?

Ich glaube, den Satz mĂĽsste ich jede Woche updaten. Es passiert grad so viel Spannendes in der Industrie, dass am Ball bleiben ein Vollzeit-Job ist. Aaaaber, mir fallen jetzt gerade (Stand 9.2.2026) drei Sachen ein: Security, Precision und Taste.

Security – OpenClaw ist gerade ein Tool, das sich wieder magisch wie das erste ChatGPT-Gespräch anfĂĽhlt. Im Prinzip ist es die Fortsetzung von dem, was Zapier in der Web 2.0 Phase war: ein Automatisierungstool, das intelligent meine ganzen Tools und Apps zusammenbringt und Aufgaben fĂĽr mich erledigt – nur halt mit modernen LLMs ausgestattet. Leider sind aber unsere Betriebssysteme und Web-Lösungen nicht wirklich gegen KIs abgesichert, die plötzlich fĂĽr uns unseren Computer bedienen. Es können also jederzeit meine Daten von einer falschen Prompt oder einem installierten Plugin abgezogen werden. Auch das wird sich sicher demnächst lösen. Aber manchmal greif ich mir an den Kopf, wenn mir Freunde erzählen, dass sie ihren Clawd Bot mit Kreditkarte zum Einkaufen geschickt haben.

Precision – Gutes Handwerk ist nach wie vor hoch im Rennen. Wir kriegen bei WILD permanent Anfragen von groĂźen Marken, auch von denen, die im KI-Sektor sind, ihre Webseiten zu bauen. Heute ging auf unserer Kundenseite von Ouster zum Beispiel die Akquisition von Stereolabs online – hier sind von den Animationen bis zur Webseite alles von Menschen designt und programmiert. Klar verwenden Entwickler jetzt vermehrt Agentic Coding Tools und Visual Artists bauen sich teilweise graphische Pipelines, aber wenn’s eine genaue Vision umzusetzen gibt, sind Menschen immer noch hoch im Rennen.

Taste – Vor mehr als einem Jahr hat mir ein Freund Suno gezeigt und gemeint, das wäre die Zukunft von Musik. Wir sind keine Freunde mehr. Die Kunst des Erstellens von digitalen Erlebnissen wird sich stark verändern und das Feld, wo “gut” gut genug ist, wird umkämpfter werden. Aber ich werd nicht aufhören, Leonardo Da Vinci zu beauftragen, nur weil andere jetzt auch seinen Pinsel verwenden.

„Die Zukunft gehört nicht den lautesten Tools, sondern den Marken, die wissen, wann sie Technologie einsetzen – und wann sie ihr bewusst im Weg stehen.“

Wie war die Stimmung beim SXSW in London, die ja im Juni 2025 zum ersten mal in Europa war? Was sind die Trends, wo geht’s hin?

SXSW London war weniger Tech-Hype und mehr Realitätscheck.
Die spannendste Erkenntnis: Technologie wird endlich nebensächlich.

AI wird zugänglicher, Produkte austauschbarer – und genau deshalb werden Offline-Erlebnisse, Craft und Geschmack wieder zum echten Differenzierungsmerkmal. Nothing, LEGO × F1 & Co. verkaufen keine Features, sondern Haltung, Identität und Gefühle.

Die Zukunft gehört nicht den lautesten Tools, sondern den Marken, die wissen, wann sie Technologie einsetzen – und wann sie ihr bewusst im Weg stehen.

Wie verändert KI langfristig die Art und Weise, wie Marken emotional mit Menschen kommunizieren?

Naja, man kann sich in verschiedene Richtungen strecken. 

Entweder nutzt man die quantitativen Fähigkeiten von KI: Zum Beispiel hyper-persönliche Werbung, wie im Film “Her”. Wir haben zum Beispiel mit Micora ein internes Tool, mit dem man unglaublich schnell Inhalte Brandingsicher erstellen kann. 

Oder man legt im digitalen Bereich mehr Wert auf die Craft. Verwendet KI also mehr dafür, die redundante Arbeit zu reduzieren, damit die Production-Teams mehr Zeit haben, sich noch tiefer in die “WOW-Erlebnisse” zu stürzen.

Oder man hat keinen Bock und fokussiert sich auf den wachsenden Experience-Bereich, wo kreative Technologien, wie bei unserer Co-Firma VTProDesign, die neuartige Erlebnisse in der Creative Technology Sparte (von den Robotern, die mit Beyonce Tanzen – ĂĽber Netflix Escape Rooms – bis hin zu ganzen Eventreihen, wie der Figma Config) baut.

„Ich werd nicht aufhören, Leonardo Da Vinci zu beauftragen, nur weil andere jetzt auch seinen Pinsel verwenden.“

Welche konkreten Chancen bietet der aktuelle Trend zurück zur Offline-Kommunikation für Unternehmen, die stark digital geprägt sind?

Man kann so tolle Dinge bauen, die offline einen Impact haben. Dank Vibe Coding kann man sehr schnell in neue Technologien vorpreschen. Wir haben zum Beispiel interaktive Experiences für IBM gebaut, die von Geräten von VTPro gelaufen sind.
AR ist auch grad auf dem Weg in den Mainstream – da wird glaub ich auch viel Digitales in die physische Welt flieĂźen.

Was meinst du genau, wenn du sagst, KI könne sich von einem Assistenten zu einem überlegenen Partner entwickeln?

Das habe ich vor fast nem Jahr gesagt. Es ist glaub ich so weit. Wenn man heute einen Textlastigen Job hat und KI richtig einsetzt, ist man zehnmal effizienter als KollegInnen. Aber der Fokus liegt auf richtig einsetzen. Eine Freundin von mir arbeitet im Backend und kriegt von einer Sales-Mitarbeiterin seit ein paar Wochen Backend-Tipps als Screenshots von ChatGPT geschickt, weil sie plötzlich denkt, sie kann dank KI programmieren. Dumme Leute werden durch KI nur selbstsicherer.
Wenn man gut delegieren und systemisch denken kann, ist man mit KI an einem guten Ort.

Kannst du Beispiele nennen, wo KI in deinem Arbeitsbereich bereits jetzt besonders hilfreich oder ĂĽberraschend gut funktioniert?

Ideen Programmieren. Prototypen bauen. Research zu Fachbereichen. Meinen Lebensalltag automatisieren (Notizen, Kalender, Email-Rewrites, Texte).

Die Voice-Funktion von ChatGPT ist grad enorm Hilfreich, um sich in ein Thema während dem Kochen einzuarbeiten – fast besser als Podcasts grad fĂĽr mich.

Wie können Unternehmen verhindern, dass KI-generierte Inhalte langfristig austauschbar wirken?

Eigene Modelle anhand ihrer Sprache und Medien trainieren. Dann haben die Inhalte ihren Flavor – das braucht aber Zeit und Arbeit.

„Dumme Leute werden durch KI nur selbstsicherer.“

Welche neuen Geschäftsmodelle und Monetarisierungsansätze siehst du aktuell durch die verstärkte Nutzung von KI entstehen?

Ich glaube, dass man als Dienstleister KI-Lösungen aufsetzen kann und übder die Leistung (sprich: Tokens) verrechnen kann. Des Weiteren suchen viele Firmen gerade nach Support in der internen Produktentwicklung (jede Software muss KI-first werden, also mit internem und/oder externen Chats bedienbar sein) und beim Upskilling der eigenen Teams.

Wie stehst du zu der Aussage, dass kreative Berufe durch KI gefährdet werden? Welche Perspektiven siehst du stattdessen?

Ich glaube nicht, dass kreative Berufe gefährdet werden. Nicht durch Technologie. Die Vierecke, in die wir seit 30 Jahren reinschauen, verstehen uns jetzt besser – that’s it.
Wenn wir dadurch mehr coole Sachen bauen können, super. Ich glaube, die größte Gefahr für kreative Berufe sind die explodierenden Lebenshaltungskosten, ungebremste Monopole und politische Krisen.

Welche konkreten Strategien gibt es, um KI-Halluzinationen zu minimieren und Vertrauen in KI-generierte Informationen zu stärken?

Kennst du die Szene in The Good, the Bad and the Ugly, wo sich Blondie, Tuco und Angel Eyes in einem Standoff gegenĂĽberstehen? So auf der Tooling Seite.

Aber auf Modell-Ebene: Es gibt schon recht gute Maßnahmen, um beim Training “ehrlichere” Modelle zu schaffen. Aber die traurige Antwort ist, dass NutzerInnen in Tests ein Modell bevorzugen, dass auch wenn es nur wenige Trainingsdaten gibt, eine Antwort parat hat, anstatt “ich weiß es nicht” zu sagen.

Du betonst, dass Fehler und Zufälligkeiten Ideen „menschlich“ machen. Wie können Unternehmen diese menschlichen Elemente trotz des Einsatzes von KI bewahren?

Indem sie die neue Effizienz durch KI nĂĽtzen, um mehr Zeit mit Menschen zu verbringen.

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Mehr ĂĽber wild gibt es hier.

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