„Um 18:00 sind vielleicht die Büros leer – die Verantwortung hat keinen Feierabend.“
Von der Marken-Ritterin zur Brand-Mum.
Oder: Wie es ist, nach 20 Jahren Agentur auf Unternehmensseite zu wechseln.
MacBooks gibt’s nicht, um 18:00 Uhr sind die Büros leer und Mittwoch ist Leberkässemmel-Tag.
Wir alle kennen sie, die unzähligen Klischees, die die Werbe-Bubble über Marketing-Abteilungen im Kopf hat. Ich gebe zu, auch ich hatte manchmal schon eine etwas, sagen wir, voreingenommene Meinung. Bis ich die Chance hatte, die Seiten zu wechseln und mir selbst ein Bild zu machen.
Und so viel kann ich sagen: little did I know.
Aber zurück zum Anfang:
Knapp 20 Jahre lang bin ich durch die Agenturwelt Wiens gewandert und durfte von FALTER bis zu Van der Bellen unterschiedlichste Projekte betreuen. Mal fix mit Team, mal einspringend als Freelancerin, mal daran wachsend, mal heillos überfordert. Meine Rolle war mir dabei immer klar: die ritterliche Beschützerin der Marke. Immer mit wachsamen Augen im Auftrag der besten Ideen unterwegs, stets die nächste Bühne aka Kampagne im Blick, treu und behutsam aufpassend, dass ihr keiner was antut.
Doch der Handlungsspielraum als Ritterin hört bei Empfehlungen auf. Zugegeben, auch ganz komfortabel: Man kann leidenschaftlich zu mutigen Entscheidungen raten, ohne sie selbst treffen zu müssen. Nun bin ich auf der anderen Seite und darf mitentscheiden, was aus diesen Empfehlungen wird. Klug einordnen, was man vom Fleck weg umsetzen kann, wo man nachschleifen muss oder auch auf dem falschen Weg unterwegs ist. Das auszusprechen ist manchmal hart – umso mehr, wenn man ganz genau weiß, was das für das Team auf der anderen Seite bedeutet. Aber am Ende des Tages muss ich die Kampagne freigeben, die Buchung beauftragen und das Angebot unterschreiben. Und dafür gerade stehen, wenn’s daneben geht.
Diese Verantwortung zu tragen ist weit weg von meiner Komfortzone, aber gleichzeitig der aufregendste nächste Schritt, den ich gehen konnte. Und wird mit stetigem Lernen belohnt, denn man wächst langsam rein in diese neue Rolle: Von der Ritterin zur Brand-Mum also.
Ganz allein auf weiter Flur bin ich dabei natürlich nicht – und genau das ist es auch, was man auf dieser Seite braucht: Ein Team, in dem eine angstfreie Haltung mit Lust aufs Neue und Platz für Wagnisse vorgelebt – ja, sogar erwartet wird. Mutige Entscheidungen sind hier ausdrücklich erlaubt, auch wenn man nie genau weiß, ob sie am Ende auch richtig sind. Passenderweise lautet unser internes Motto: „Und was stell‘ ma heute an?“ Chapeau an dieser Stelle an meine Vorgesetzte, die diese bolde Magic versprüht.
Das hat nicht nur interne Wirkung. Mut und Ermutigung sind ansteckend. Das spürt auch unsere Agentur. Die sich nach anfänglichem Staunen nun voll als Part of the Team sieht, unseren Mut laufend füttert und gleichzeitig auch Pragmatismus gut einordnen kann. Kudos gehen an dieser Stelle raus an ein paar ganz besondere Agentur-Ritterinnen.
Statt Klischees habe ich hier also viel mehr gelernt:
Um 18:00 sind vielleicht die Büros leer – die Verantwortung hat keinen Feierabend.