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Good at Kolumne:
Silvia Lacher

Silvia Lacher ist selbstständige Markenstrategin und Gründerin von "StrategyWorkshop". Wenn sie gerade keine Konzepte zu Papier bringt,
sucht sie in Texten gerne nach guten Fragen und Antworten.

Silvia Lacher

„Es braucht Mut, sich auf Erfahrungen einzulassen, die am Lebenslauf (noch) keinen Sinn machen.“

Die RĂĽckkehr der Renaissance-Menschen

Einem Drop-out, einem Mönch und einer Künstlerin verdanken wir die erste Schrift-Bibliothek am Computer. Die Rede ist von Steve Jobs, Robert Palladino, und Susan Kare.

Als Steve Jobs nach Abbruch seines Studiums einen Kurs für Kalligraphie bei dem Mönch Robert Palladino belegte, war ihm noch nicht klar, was ihm diese Kenntnisse später nützen können. Doch Jahre später, als er den Macintosh entwickelte, transferierte er mithilfe von Gestalterin Susan Kare das Handwerk vom Papier auf den Schirm.

In einer Ansprache erzählt Steve Jobs später ĂĽber genau diese Gegebenheit: “Again, you can’t connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards. So you have to trust that the dots will somehow connect in your future.”

Es ist aber kein Zufall, das diese Geschichte einem Menschen passiert ist, der sich schon immer Normen widersetzt hat. Denn dieses Erfolgsrezept macht leider noch keine Schule – fast überall in der Welt hängen wir in starren Bildungssystemen aus den Zeiten der Industrialisierung fest, die uns in bestimmte Formen pressen will.

Zum Beispiel in die der I-Shaped Thinker (um bei der Typografie zu bleiben). I-Shaped Thinker sind Spezialisten auf ihrem Gebiet. Geradlinig wie die Form des Buchstabens „I“ bohren sie immer tiefer und werden zu unübertroffenen Expert:innen eines fokussierten Feldes. Fast jede 5. Person hat in Österreich einen FH- oder Universitätsabschluss (Momentum).

Aber wir können nicht alle in die Forschung gehen. Angepasst an die Arbeitsrealität der 1980er Jahre verbreitete McKinsey die Philosophie der T-Shaped Thinker. Diese bringen zusätzlich zu einer Tiefen-Expertise (wie bei den I-Shaped Thinkern) auch breiteres Wissen in anderen Feldern mit – das symbolisiert der vertikale Balken der “T”s.

 

Beide Denkmodelle haben ihre Stärken und Berechtigung – doch sind sie in ihrer Isoliertheit limitiert. Um tatsächlich Verbindungen zwischen den oben zitierten Dots zu erkennen und zu verfolgen, um in einer immer komplexer werdenden Welt neue Lösungen zu finden, sei es in der Kreativbranche oder Medizin-Technik, müssen wir noch einmal umdenken.

Hier kommt das X-Shaped Thinking ins Spiel. Der Fokus liegt weniger auf dem Anhäufen von Wissen, sei es spezialisiert oder oberflächig, sondern auf Assoziationsfähigkeit und schnelle Auffassungsgabe. Wie die gekreuzten Balken des “X” werden Verbindungen zwischen unterschiedlichsten Themenfeldern gesucht – wie IT und Kalligraphie – und lassen so etwas potentiell Wegweisendes entstehen.

Das Konzept der X-Shaped Thinker ist keineswegs neu – sondern findet seine Grundlagen in der Renaissance. Polymathie ist definiert als „Wissen ĂĽber verschiedene Themen, die aus allen Arten von Studien stammen… und sich frei ĂĽber alle Bereiche der Disziplinen erstrecken, soweit der menschliche Verstand mit unermĂĽdlichem FleiĂź in der Lage ist, sie zu verfolgen“ (Von Wowern).

Was brauchen wir also, um wieder Renaissance-Menschen zu werden?

Es braucht Mut, sich auf Erfahrungen einzulassen, die am Lebenslauf (noch) keinen Sinn machen. Es braucht Übung, Muster und Potential zu erkennen. Und es braucht Anstrengung, aus bestehenden Systemen auszubrechen. Aber vor allem müssen wir verlernen, in Silos zu denken – sondern offen für Kollaborationen und neue Ideen sein.

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