Judith Reisinger ist good at „HĂ€ndchen“ haben.

Judith Reisinger ist Art und Communication Consultant. Ihre Mission ist es Kunst, RĂ€ume und Menschen auf die bestmögliche Weise zu verbinden und eine reibungslose und inspirierende Reise zu ermöglichen. Wir haben mit ihr darĂŒber gesprochen wie man seine innere Stimme findet, ihren persönlichen Weg und die Unterschiede im Kunstmarkt Europa vs USA.

Judith Reisinger

“Schaue nicht zu viel, was andere tun, lass dich nicht ablenken von deiner eigenen Stimme. HĂŒte das, was durch dich hindurchfließen will, wie einen Schatz.”
©catskillimage fĂŒr Dwell Magazine

Liebe Judith, vielen Dank fĂŒr deine Zeit! Springen wir mal einfach direkt rein: Wo bist du gerade auf der Welt?

Ich bin in unserem Haus in New York, Hudson Valley. Ich liebe es zu reisen. Andere Kulturen und LÀnder kennenzulernen ist mein Antrieb, meine Inspiration. Mein Mann ist Schwede und tickt Àhnlich, das Abenteuer New York Upstate haben wir uns dann gemeinsam aufgebaut.

Echt ein toller Platz, den ihr euch da geschaffen habt! Auch der Artikel dazu im Dwell Magazin, war sehr spannend fand ich, wie man sich einen Ort zu „eigen“ macht. Absolute Leseempfehlung. Nach diesem Interview natĂŒrlich. 😉
Aber mal zu dir persönlich: Was machst du eigentlich genau und wie bist du darauf gekommen?

Ich arbeite als Art und Communication Consultant. Meine Faszination fĂŒr Kunst ist in meiner Kindheit entstanden, auch meine Eltern waren immer kunstinteressiert. Ausstellungen zu besuchen, war ein Familienritual. Mein Vater war Mathematiklehrer, aber hat in seiner Freizeit wunderschöne Kunstwerke geschaffen, Fotografie, Aquarelle und Skulpturen. Ich habe auch Kunstgeschichte studiert in Salzburg und Italien.

Ok, zurĂŒck zu deiner Frage: Meine Felder sind vielfĂ€ltig. Ich berate Privatkunden, Interior Designer und Architekten im Kunstkauf, erledige Recherchearbeiten, finde die richtigen Werke am Markt, fĂŒhre die Verhandlungen und kĂŒmmere mich um die Kunsttransporte und Installationen.

Außerdem bin ich als Consultant tĂ€tig fĂŒr Businesses im und um den Kunstbetrieb (Galerien, Advisors, Dealer, KĂŒnstler) und berate in Management Angelegenheiten, strategischer Kommunikation und Verkauf. Ich kuratiere RĂ€ume fĂŒr Real Estate Projects, letzteres ausschließlich in New York.

Marko Lipus – Blue Scratchings
Lead Gudrich – MĂ€rzbilder I – Photo: ©109east79, The Boundary/NoĂ« & Associates

Klingt extrem abwechslungsreich! Wie war denn dein Weg dorthin? Was hat dich dazu bewegt bzw. fasziniert?

Ich gehe selten den leichten Weg (lacht). Man muss schon Abenteuersinn und Durchhaltevermögen haben. Ich persönlich hab alles von der Pike auf gelernt, musste es „am eigenen Leib“ erfahren, wie es ist, wie es am besten lĂ€uft, also learning by doing. Wenn ich das GefĂŒhl hatte, hier ist noch was zu lernen, hier kann ich noch was mitnehmen, bin ich geblieben. Sobald ich das GefĂŒhl hatte, dass sich zu viel Routine einschleicht, und es nichts mehr „zum Wachsen“ gibt, bin ich weitergezogen.

Mutig! Find ich toll. Welche Skills sind deiner Meinung nach wichtig, um diesen Beruf zu ergreifen?

Die FĂ€higkeit, prĂ€zise zu arbeiten, BeratungsqualitĂ€ten, die FĂ€higkeit zu dienen und gleichzeitig zu fĂŒhren. Gut in Kommunikation sein, zu wissen, was priorisiert werden muss.

Du musst dafĂŒr brennen. Offen zu sein und neugierig, keine MĂŒhen und Reisestrapazen scheuen.

Und man sollte gut darin sein, Menschen Raum zu geben, sich selbst zu entwickeln. Geschmack zu entwickeln, Sicherheit, Selbstbewusstsein; das HÀndchen zu haben, Menschen zu zeigen, was ihre StÀrke ist oder wo ihre eigene Leidenschaft wirklich sitzt.

„Kunst hat die Aufgabe, zu verbinden. Menschen verlieben sich in Kunstwerke, das ist immer schön zu beobachten. Kunstwerke haben energetische Kraft.“
Kevin Rausch – Silence is Over
Kalina Horon – Untitled

Love it. Wo liegen fĂŒr dich die Unterschiede in der Kunstwelt im Vergleich von USA und Österreich?

Ich persönlich fĂŒhle mich freier in New York. Mittlerweile muss ich aber auch sagen, in den meisten Arbeitssituationen kĂŒmmert es die Menschen, mit denen ich arbeite, nicht wirklich, ob ich gerade in Wien sitze oder in NY Upstate oder wo auch immer.

Wien hat eine interessante Kunstszene, da tut sich was. Auch international wird das wahrgenommen. In New York schĂ€tze ich es, wie “natĂŒrlich” es ist, mit Leuten zu netzwerken und “Business zu machen.” Es ist das normalste auf der Welt, dass du mit Business ums Eck kommst oder eine Idee zur Kollaboration hast. “Was machst du, was willst du, was springt fĂŒr beide raus, let’s do it” da wird nicht lange gefackelt, man kommt gleich zur Sache (traurigerweise muss ich auch nun im Jahre 2022 sagen, egal ob du Mann oder Frau bist). Das GefĂŒhl habe ich in Ö weniger.

Das stimmt, hab’ ich auch öfter mitbekommen in letzter Zeit. Bist du offen fĂŒr junge österreichische KĂŒnstler:innen? Suchst du auch Talents oder arbeitest du nur mit etablierten KĂŒnstler:innen?

Ich habe immer wieder mit jungen KĂŒnstler:innen zu tun, auch aus Österreich. Spielt jetzt aber fĂŒr mich nicht so eine große Rolle. FĂŒr mein aktuelles Real Estate Projekt an der Upper Eastside habe ich fast ausschließlich mit jungen KĂŒnstlern, auch von Wien, kuratiert. Das fand ich schön, dass ich jungen KĂŒnstlern die Plattform geben konnte, z.B. Kevin Rausch, Kalina Horon, Marko LipuĆĄ. Die Developer, Architekten und Designer haben das sehr positiv aufgenommen. Die „Europe-Connection“ ist hier in NY ein Plus. Momentan bin ich ziemlich stark eingedeckt als Consultant fĂŒr eine Galerie und Advisory Firma mit Headquarters in London, New York und hybriden internationalen Kunstprojekten. Aber ich trage nach wie vor die Idee mit mir herum, KĂŒnstler in privaten Salons hier in NY vorzustellen, und ja, natĂŒrlich finde ich es reizvoll, KĂŒnstler von Europa einem NY Publikum vorzustellen
etwa die oben genannten, und Stefanie Moshammer (der habe ich einiges in meiner Karriere zu verdanken), Madita Kloss, oder Maibritt Rangstrup von Copenhagen, Lea Gudrich von Germany, …

Wow! Klingt wirklich toll. Lass uns ein bisschen mehr im grĂ¶ĂŸeren Kontext sprechen: Klischeehaft sagt man ja oft “Kunst entsteht im Kontext” oder “liegt im Auge des Betrachters”. Wie siehst du das? Was macht fĂŒr dich Kunst zur Kunst?

Ach, ich persönlich respektiere schon den historischen Bezug, es ist aber nicht nur akademisch, es ist viel mehr, es ist komplex, wie alles! Es schafft Kultur und Dialog. Es ist archaisch, es ist humanistisch und es geht auch um handwerkliches Können. Zeitströmungen spielen eine Rolle, und ja, auch der Markt.

Jeder soll seinen eigenen Weg darin finden. Ich arbeite schon mit bestimmten Codes – Hintergrund des KĂŒnstlers, Ausstellungen, Marktsituation, wie konsequent erschafft er oder sie eine bestimmte Sprache, hat es Substanz, und dann entscheide ich auch mit einer Riesenportion Instinkt.

Maibritt Rangstrup – Of Time And Place #7 – Photo: ©109east79, The Boundary/NoĂ« & Associates

Welche Aufgabe hat Kunst deiner Meinung nach?

Zu verbinden. Menschen „verlieben“ sich in Kunstwerke, das ist immer schön zu beobachten. Kunstwerke haben energetische Kraft.

Kalina Horon – Untitled – Photo: ©109east79, The Boundary/NoĂ« & Associates

Uh das stimmt. Man fĂŒhlt bei gewissen Bildern oder Kunstwerken die Energie, die hineingeflossen ist, finde ich. Manches hat eine magische Anziehung
 hast du Tipps fĂŒr junge KĂŒnstler:innen, wie sie ihre Stimme finden? Oder auch fĂŒr junge Kreative, die spĂŒren, dass es sie in diese Richtung zieht, aber sie trauen sich nicht, oder wissen gar nicht, wo/wie anfangen?

Konzentriere dich auf dich. Schaue nicht zu viel, was andere tun, lass dich nicht ablenken von deiner eigenen Stimme. HĂŒte das, was durch dich hindurchfließen will, wie einen Schatz.

Das mag ich sehr.
ErzÀhl noch ein bisschen von dir: Du hast ja auch Branchen Hintergrund, warst unter anderem lange bei Red Bull Creative als Beraterin und Strategin. Was glaubst du, fehlt der Branche, was sind die Probleme aus deiner Sicht? Und was muss sich Àndern?

Wenn man fĂŒr diese Branche brennt, ist das ja bestens. Ich bin schon lange nicht mehr in dieser Branche tĂ€tig, es hat sich ja so viel geĂ€ndert. GrundsĂ€tzlich tut Offenheit, Kollaboration und WertschĂ€tzung jedem gut, eine Prise Selbstironie bestimmt und Respekt fĂŒr die FĂ€higkeiten jeder einzelnen Person.

Warum hast du persönlich den Job verlassen und wie hast du „deins“ gefunden?

Mich hat es einfach weitergezogen und ich bin meiner Stimme gefolgt. Man kann den Weg nur Schritt fĂŒr Schritt gehen und die Vision trotzdem nicht aus den Augen verlieren, auch wenn es manchmal schwer ist. Wie gesagt, mit den Jahren und der Erfahrung kommt auch immer mehr das Selbstvertrauen und die SouverĂ€nitĂ€t, zumindest ist das bei mir so. Es ist immer noch ein Prozess, aber ich glaube, das ist das Leben an und fĂŒr sich, oder?

Kalina Horon - Untitled
Stefanie Moshammer – Warm Heart & Stranger Than Paradise

Da bin ich absolut bei dir. Toll, vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch, liebe Judith! Das war sehr inspirierend!

Es war mir eine Ehre. Danke, was du machst, Patrik!

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