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Good at Kolumne:
Max Kickinger

Max Kickinger ist Unternehmer aus Salzburg und GF der Agentur "Raven and Finch". Einmal im Monat blickt er in seiner Kolumne fĂŒr uns ĂŒber den Tellerrand.

Max Kickinger

„In welcher Welt wollen wir leben? Und welche Geschichten muss ich erzĂ€hlen, damit diese irgendwann Wirklichkeit werden?“

Das Erwartbare und die Zukunft einer Branche.

Daniel Schreiber schreibt ĂŒber das GlĂŒck: “Ob die Frage des GlĂŒcks, wenn man sie in den Horizont des Erwartbaren stellt, nicht geradewegs zur Frage des UnglĂŒcks fĂŒhrt.” *

Ich glaube, das gilt nicht nur fĂŒr das GlĂŒck. Man könnte sich dieselbe Frage auch ĂŒber die Zukunft stellen. Oder ganz einfach: Wenn alles schlimm aussieht, wird es wahrscheinlich auch schlimm kommen. Aber so einfach machen wir es uns hier mal nicht.

Momentan hat man ja so das GefĂŒhl, dass es eigentlich keiner Branche wirklich gut geht. Alle leiden unter Personalmangel, alle leiden unter denselben Entwicklungen. Nun ist es leider so, dass sich mit dem Altern nicht verhandeln lĂ€sst. Immer weniger junge Menschen stehen immer mehr alten Menschen gegenĂŒber. Da sind natĂŒrlich politisch motivierte Narrative wie “Die Jungen wollen nicht mehr arbeiten” die Konsequenz, aber trotzdem einfach falsch. Es gibt immer weniger junge Menschen und die meisten davon arbeiten bereits. Es ist also, wie so oft, eine Frage der Geschichte, die wir uns erzĂ€hlen und erzĂ€hlen wollen. Und hier kommt wieder die Kommunikationsbranche ins Spiel.

Auch der Werbebranche ging es schon mal besser, keine Frage. Aber die Vorzeichen stehen nicht so schlecht, wie in vielen anderen Branchen. Sollte man zu denen gehören, die sich vor zehn bis fĂŒnfzehn Jahren mit der Digitalisierung beschĂ€ftigt haben, stehen sie sogar ganz gut.


Und was vor zehn, fĂŒnfzehn Jahren Digitalisierung war, ist heute das “Erwartbare”. Ich bin ĂŒberzeugt, dass wir in der Kommunikationsbranche eine Verantwortung tragen, an zukunftsfĂ€higen Geschichten mitzuarbeiten. Denn irgendwann war alles nur mal eine Geschichte. Menschen auf dem Mond: undenkbar vor 100 Jahren. Sozialversicherung fĂŒr alle: vollkommen unverstĂ€ndlich in Zeiten der Industrialisierung. Wie sich an den Beispielen zeigt, wird aus Geschichten Wirklichkeit, wenn genug Menschen an diese Wirklichkeit glauben. Aber das braucht einige Zeit, auch das kann man gut an diesen Beispielen sehen.

Das Erwartbare ist heute: Alles geht den Bach runter, so wie es ist, kann es nicht weitergehen, und so weiter und so fort. Was es aber so gut wie nicht gibt, sind VorschlĂ€ge fĂŒr eine Entwicklung in eine lebenswerte Richtung oder unerwartete Richtung gehen.

Unerwartet wĂ€re es, sich die Frage nach dem Menschenbild zu stellen. Ich bin ĂŒberzeugt, dass es noch nicht zu spĂ€t dazu ist. In welcher Welt wollen wir leben? Welche Geschichten muss ich erzĂ€hlen, damit diese irgendwann Wirklichkeit werden? Zum Beispiel im Zuge des nĂ€chsten Projekts.

* “Wie wir schreiben wollen” – Hanser Berlin

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