Was hat dich ursprünglich in die Creative Industries geführt?
Meine Leidenschaft für kreative Kommunikation, starke Marken und vor allem für Menschen war schon sehr früh da. Begonnen habe ich klassisch in einer Medienagentur, doch durch meine Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen wurde mir klar, dass mich besonders die kreative Umsetzung und das Zusammenspiel von Strategie und Emotion erfüllen. Am meisten motiviert mich, wenn durch meine Arbeit Verbindungen entstehen zwischen Menschen, Ideen und Marken. Communities aufzubauen und nachhaltige Brand Experiences zu schaffen, die langfristig wirken, war für mich immer sinnstiftender als kurzfristige Effekte.
„Exzellente Member Experience bedeutet für mich, idealerweise schon zu wissen, was sich ein Member wünscht, bevor er oder sie danach fragt.“
Gab es einen Moment, an dem dir klar wurde, dass Community dein zentrales Thema ist?
Lange Zeit war mir das gar nicht bewusst, weil es für mich selbstverständlich war, Menschen zu verbinden, ganz ohne strategischen oder monetären Hintergedanken. Ich liebe es, Menschen aus unterschiedlichsten Kontexten zusammenzubringen und erfahre mich selbst stark über Begegnungen.
Ich denke, es waren viele kleine Momente und das Anerkennen meiner Sensibilität und Empathie, dass diese keine Schwäche darstellt, sondern zu meinen größten Stärken gehören. Genau diese Haltung prägt auch mein Unternehmertum und die Art, wie ich mein Unternehmen führen möchte. Ich hatte immer ein gutes Gespür dafür, Zusammenhänge zu erkennen und zu sehen, wo Zusammenarbeit oder Kooperationen entstehen können. Erst durch das Feedback von Freund:innen, Kund:innen und Wegbegleiter:innen wurde mir bewusst, dass genau darin eine meiner zentralen Kompetenzen liegt.
Welche Stationen deines Werdegangs haben dich am stärksten geprägt?
Natürlich auch die Misserfolge. Sie zwingen einen zu wachsen, und dafür bin ich heute sehr dankbar. Oft unterschätzen wir das Potenzial der Phasen und Zwischenräume zwischen Jobs. Gerade diese Momente waren für mich besonders prägend.
Vor allem die Reisen, Auslandsjobs und auch die bewussten Pausen dazwischen haben mir Raum für Reflexion gegeben und dafür, mein eigenes Warum immer wieder zu hinterfragen und neu zu kalibrieren. Ein Jahr in Kapstadt hat meinen Horizont enorm erweitert und meinen Blick auf Arbeit, Unternehmertum und Gemeinschaft nachhaltig geprägt.
Jede Station meines Werdegangs hat eine andere Facette in mir geprägt. Mit 18 als Flugbegleiterin habe ich viel Menschenkenntnis gewonnen, mein erster Medienjob den Umgang mit großen Kampagnenvolumina. In der Agenturarbeit, ebenso wie in der Filmproduktion und im internationalen Eventbusiness, wurde mir zunehmend klar, dass meine Stärke vor allem im strategischen Denken und kreativen Umsetzung liegt.
Gleichzeitig spürte ich, dass der Zeitpunkt gekommen war, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen und meine eigene Kommunikations- und Eventagentur, L.A. Agency Vienna zu gründen.Dieser Schritt war für mich besonders wichtig, weil ich bewusst mit Kund:innen zusammenarbeiten möchte, die ähnliche Werte teilen – denn genau diese gemeinsame Wertebasis ist für mich die Grundlage für authentische, nachhaltige und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Was hast du durch deine internationale Erfahrung über Menschen und Gemeinschaft gelernt?
Ich habe gelernt, dass wir in unseren Grundbedürfnissen sehr ähnlich sind und dass Zugehörigkeit eines der wichtigsten ist. Gleichzeitig ist die kulturelle Einbettung entscheidend. Unterschiede in Herkunft, Perspektive und Lebensrealität sind keine Hürden, sondern Chancen, um Communities vielfältiger, offener und kreativer zu gestalten. Gerade nach Covid ist das Bedürfnis nach echter Verbindung, Wertschätzung und sinnhaften Erlebnissen stark gewachsen und für authentisches Branding und nachhaltige Community-Strategien essenziell.
„Starke Communities basieren auf Vertrauen, geteilten Werten, Wertschätzung und aktiver Beteiligung.“
Welche Fähigkeit aus der Hospitality hilft dir heute am meisten in deiner Arbeit?
Das Antizipieren von Bedürfnissen. In der Gastronomie und im Eventbereich lernt man, Menschen zu lesen und Erwartungen zu erkennen, bevor sie ausgesprochen werden. Genau dieses Gespür kann ich heute bei meinen Kunden und im Membership- und Community-Management an, aber auch in der strategischen Arbeit mit Marken.
Was bedeutet exzellente Member Experience für dich ganz konkret?
Exzellente Member Experience bedeutet für mich, idealerweise schon zu wissen, was sich ein Member wünscht, bevor er oder sie danach fragt. Es geht darum, dass sich jedes Mitglied gesehen, willkommen und wertgeschätzt fühlt. Jeder Kontaktpunkt von der ersten Kontaktaufnahme über das Onboarding bis hin zu Events und der täglichen Kommunikation soll ein konsistentes, hochwertiges Erlebnis schaffen, das Vertrauen und Loyalität aufbaut.
Wie würdest du deinen persönlichen Führungsstil beschreiben?
Mein Führungsstil ist kollaborativ und outputorientiert. Ich glaube daran, Menschen zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig klare Visionen zu kommunizieren. Langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht aus intrinsischer Motivation, und das verändert die Qualität von Arbeit und Miteinander grundlegend.
Was treibt dich an, auch wenn es stressig wird?
Mich treibt die Freude an, gemeinsam mit meinen Kund:innen etwas Besonderes zu schaffen. Am meisten erfüllt es mich zu sehen, wenn aus Begegnungen echte Verbindungen entstehen – wenn Menschen durch Projekte zusammenfinden, Freundschaften wachsen oder neue Ideen geboren werden. Diese Momente zeigen mir, dass meine Arbeit mehr ist als Organisation oder Strategie: Sie schafft Räume, in denen etwas Echtes entstehen kann.
„Das Antizipieren von Bedürfnissen – genau dieses Gespür wende ich heute im Membership- und Community-Management an.“
Was macht für dich eine starke Community wirklich aus?
Starke Communities basieren auf Vertrauen, geteilten Werten, Wertschätzung und aktiver Beteiligung. Sie schaffen Räume, in denen Menschen authentisch zusammenkommen, sich inspirieren und gegenseitig stärken.
Woran erkennst du, ob eine Verbindung zwischen Menschen echtes Potenzial hat?
Für mich zeigt sich echtes Potenzial, wenn sich ein Gespräch leicht anfühlt und gleichzeitig Tiefe zulässt. Wenn Neugier aufeinander da ist, ohne Agenda, und beide Seiten wirklich zuhören. Besonders wichtig ist mir, dass eine Verbindung auf Gegenseitigkeit beruht und nicht auf kurzfristigem Nutzen.Entscheidend ist, ob beide Seiten echtes Interesse an einer Win-win-Situation haben, denn daraus entstehen langfristige Partnerschaften.
Welche Rolle spielen Werte in der Community-Entwicklung?
Werte spielen die zentrale Rolle. Sie definieren Kultur, Atmosphäre und die Art der Interaktion. Ohne klar gelebte Werte bleibt eine Community oberflächlich, mit ihnen entsteht Zusammenhalt und Authentizität.
Was unterscheidet Marketing von echter Beziehungspflege?
Marketing kann Aufmerksamkeit erzeugen, Beziehungspflege schafft Vertrauen. Es geht weniger um Reichweite und mehr um Tiefe. Nicht nur Botschaften zu senden, sondern echte Begegnungen zu ermöglichen, macht langfristige Bindung möglich.
„Zugehörigkeit ist eines unserer wichtigsten Grundbedürfnisse – Unterschiede in Herkunft, Perspektive und Lebensrealität sind keine Hürden, sondern Chancen.“
Wie lassen sich wirtschaftliche Ziele und echte Begegnung in Balance bringen?
Gerade im Private-Membership-Segment ist das ein Balanceakt. Wenn echter Mehrwert geschaffen wird durch Qualität, kuratierte Erlebnisse und relevanten Zugang, entstehen Engagement und Umsatz organisch. Zeit ist das kostbarste Gut, und wenn Mitglieder spüren, dass ihre Zeit aufgewertet und wertgeschätzt wird, entsteht Bindung langfristig.
Welchen Fehler siehst du häufig beim Aufbau von Communities?
Fehlende Werte, geringe Personalisierung, fehlendes Tracking von KPI’s, unzureichendes Beachten von Feedback, übermäßiger Fokus auf kurzfristiges Erfolge und Unterschätzen des Aufwands an Zeit und Ressourcen, den nachhaltiger Community-Aufbau erfordert. Ohne klare Messgrößen lassen sich Entwicklungen weder gezielt steuern noch nachhaltig verbessern – denn was nicht gemessen wird, kann nicht optimiert werden. Neben wirtschaftlichen Kennzahlen wie ROI und Cashflow, die selbstverständlich gegeben sein müssen, braucht Community-Aufbau qualitative und sowie langfristige quantitative Metriken. Community-Building ist damit kein kurzfristiger Marketing-Hack, sondern ein langfristiger, strategischer Prozess, der konsequent gemessen, weiterentwickelt und in die Gesamtstrategie integriert werden muss.
Was ist The Cover in einem Satz für jemanden, der den Ort noch nie erlebt hat?
Ein offener, warmer und inklusiver und internationaler Private Members Club, der Menschen aus Kultur, Innovation und Business zusammenbringt und besondere Erlebnisse schafft.
Wie ist die Idee des Cover Clubs entstanden?
Die Idee entstand während der Covid-Zeit, als viele Hotels leer standen und das Bedürfnis nach echten Begegnungen besonders groß war. Myriel Walter, VP Brand der Sircle Collection, initiierte das Konzept. Der erste Club eröffnete 2021 in Barcelona. Wien folgte im November 2025 mit rund 1.000 Quadratmetern Social Space, Co-Working, Gym, Kino, Terrasse und Meetingräumen. Mitglieder profitieren von einer globalen Membership innerhalb der gesamten Hotelgruppe.
Welche Menschen soll der Cover Club besonders anziehen?
Kulturell neugierige, kreative Innovator:innen, Unternehmer:innen und Menschen, die echte Verbindungen und hochwertige Erfahrungen suchen.
Was bedeutet für dich der Anspruch warm, willkommen und inklusiv konkret im Alltag?
Wir lernen alle Bewerber:innen persönlich kennen, dieser persönliche Zugang ist zentral. Es sind die kleinen Details, wie Namen zu kennen oder Vorlieben zu erinnern. Kommunikation und Service sind auf Augenhöhe. Unterschiedliche Hintergründe werden bewusst wertgeschätzt und spiegeln sich auch in der Kuration unseres Eventprogramms wider.
Wodurch unterscheidet sich der Cover Club von klassischen Business oder Private Member Clubs?
Durch die Verbindung von Community, Kultur und Kreativität in einem hochwertigen, aber entspannten Umfeld. Es geht nicht um Status, sondern um echte Begegnung, lokal verankert und international vernetzt.
Was wünschst du dir langfristig für die Rolle des Cover Clubs in Wien und darüber hinaus?
Ich wünsche mir, dass der Cover Club zu einem erweiterten Wohnzimmer für lokale und internationale Kultur- und Business-Communities wird. Ein Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenkommen, sich inspirieren und nachhaltig vernetzen, in Wien und darüber hinaus.
Vielen Dank für das tolle Gespräch!
Mehr über The Cover gibt es hier.