Ihr seid zu dritt. Wie habt ihr euch kennengelernt, und wann war klar, dass ihr gemeinsam etwas aufbauen wollt?
Dazwischen lag auf jeden Fall viel Zeit. Kennengelernt haben wir uns im Studium. Dann ist mal eben ein Jahrzent vergangen, wo jeder seinen Weg gemacht hat. Im Ausland haben wir uns als Senior Visual Effects Artists etabliert und dann in Ăsterreich kurzzeitig andere Branchen und Berufswege erkundet. Relativ schnell war klar, dass diese Jobs fuÌr uns nicht erfuÌllend sind. AuĂerdem wollten wir etwas Neues, Frisches aufbauen und dem teils exploitativen Verhalten in der Medienbranche entgegenwirken.
„Wir wollten etwas Neues, Frisches aufbauen und dem teils exploitativen Verhalten in der Medienbranche entgegenwirken.“
Jede und jeder von euch hat einen anderen Hintergrund. Was bringt jeder mit, und was fehlt euch ohne die anderen?
Matthias bringt das technische Know-how mit. Niemand steckt so tief in den tĂ€glich neu entwickelten Tools drinnen und setzt sich so akribisch und konsequent damit auseinander. Er ist mit seinem Background als rennomierter 3D-Artist prĂ€destiniert dafuÌr.
Nino kommt aus dem VFX-Bereich und hat an groĂen internationalen Kinoproduktionen mitgearbeitet. AuĂerdem bringt er durch seine Erfahrungen im Innovationsmanagement auf C-Level in verschiedenen Agenturen/Postproduktionen ein unverzichtbares Skillset mit.
Stefan verbindet die Welt eines Tech-Nerds mit der des VisionĂ€rs. Als Motion-Graphics- und VFX-Artist sowie als technischer Producer hat er bei unzĂ€hligen Werbefilm- , Spielfilm- und TV- Produktionen mitgearbeitet und behĂ€lt so stets kuÌhlen Kopf in stressigen Phasen.
Gab es einen Moment, wo ihr gemerkt habt: Alleine hÀtten wir das so nicht hingekriegt?
TĂ€glich.
Ăsterreich ist nicht gerade bekannt als Vorreiter in generativer KI fuÌr visuelle Produktion. Was bedeutet das fuÌr euch â Vorteil, Nachteil , oder einfach Alltag?
Kurz gesagt: Alltag. Es hat den Vorteil, wenig Konkurenz zu haben und den Nachteil, kein Vorschussvertrauen von Auftraggebern zu bekommen. Wir stecken sehr viel Aufwand in Ăberzeugungsarbeit. Auch der Wissenstransfer ist uÌ berschaubar. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir in Ăsterreich eine der besten Ausbildungen im Bereich Postproduktion haben. Da reicht ein Blick auf groĂe, internationale Studios â meist sitzt da jemand aus den bekannten FHs ganz oben.
Ihr arbeitet in einem Feld, das sich gerade tĂ€glich verĂ€ndert. Wie lernt man sowas â gibt es uÌberhaupt eine klassische Ausbildung dafuÌr, oder baut ihr das Wissen parallel zur Arbeit auf?
Man muss stĂ€nding am Ball bleiben und einen unermuÌ dlichen Willen haben, Neues zu lernen. Wir bauen das Wissen parallel zur tĂ€glichen Arbeit aus und versuchen selbst, das Erlernte weiterzugeben und so Weiterbildungsmöglichkeiten fuÌr den Nachwuchs zu schaffen. Aktuell existiert nichts in die Richtung. Die Entwicklungen in dem Bereich finden so schnell statt, dass man immer das GefuÌhl hat hinten nach zu sein, selbst wenn man sich 2 5 Stunden am Tag mit dem Thema beschĂ€ftigt. Sobald man anfĂ€ngt sich ein Tutorial anzusehen, ist es bereits veraltet. Da hilft nur der Sprung ins kalte Wasser – ausprobieren und experimentieren.
Ihr habt bewusst einen anderen Weg gewĂ€hlt als die meisten: offene Systeme, eigene Hardware, keine AbhĂ€ngigkeit von Abo-Modellen. Wie ist diese Haltung entstanden â war das von Anfang an klar, oder habt ihr euch da durchgekĂ€mpft?
FuÌr uns war klar, dass wir kein GeschĂ€ftsmodell rein auf bestehenden Abo-Modellen aufbauen wollen. Falls dieses eingestellt wird, oder sich der Preis vervielfacht , wĂ€re unser GeschĂ€ftsmodell uÌber Nacht Geschichte. Zudem können wir keine verlĂ€sslichen Angebote stellen, solange wir von Credits bei proprietĂ€ren Anbietern abhĂ€ngig sind. Das Thema Compliance und Datensicherheit war bei unserer Entscheidung einen alternativen Weg zu gehen auch nicht ganz unwichtig.
Wenn ihr heute mit Leuten sprecht, die noch nie mit generativer KI gearbeitet haben â was ist das gröĂte MissverstĂ€ndnis, das ihr immer wieder ausrĂ€umen muÌsst?
Das gröĂte MissverstĂ€ndnis ist, dass jetzt alles einfach ist, weil es mit UnterstuÌtzung von KI entsteht. KI ist auch nur ein Werkzeug, das man erst einmal erlernen und meistern muss. NatuÌ rlich kann jeder heutzutage ein wunderschönes Bild mit einem Knopfdruck erstellen, aber alle Elemente zu einem konsistenten Ganzen zu verbinden, bringt immer noch Herausforderungen mit sich. Die schönsten MissverstĂ€ndnisse sind wiederum, wenn wir die Frage bekommen, welcher Teil unserer Videos nun mithilfe von KI erstellt wurde – und das bei komplett KI-generierten Filmen.
„Es hat den Vorteil, wenig Konkurrenz zu haben, und den Nachteil, kein Vorschussvertrauen von Auftraggebern zu bekommen.“
Ihr nutzt das AI – Factory-Programm s der EU, als Netzwerk-Hub. Was steckt dahinter, und was verĂ€ndert das fuÌr eure Möglichkeiten?
Wir arbeiten eng mit verschiedenen Sparten der AI Factory zusammen. Allem voran, weil dort renommierte SpezialistInnen aus allen Bereichen der Wirtschaft sitzen. Diese helfen uns bei Themen, bei denen wir personell nicht oder nur schwach aufgestellt sind , wie Business Development, Marketing etc., sodass wir uns wirklich auf unsere Arbeit und die Weiterentwicklung der Technologie und genAI-Szene fokussieren können.
Warum nutzt ihr Exoscale als Cloud-Infrastruktur und nicht einfach AWS oder Google? Ist das eine technische oder eine politische Entscheidung?
Wir versuchen, soweit es uns möglich ist, europĂ€ische Dienste zu nutzen. Dazu gehört natuÌ rlich auch Exoscale. Die Hardware und Cloud-Infrastruktur von Exoscale ermöglicht es uns, gröĂere Modelle zu nutzen und mit komplexeren Workflows zu experimentieren, welche wir mit Consumer Hardware nicht ausfuÌhren könnten. Wir können mithilfe von Exoscale tatsĂ€chlich eine rein europĂ€ische Produktion anbieten.
„Man darf auch nicht vergessen, dass wir in Ăsterreich eine der besten Ausbildungen im Bereich Postproduktion haben.“
Auf eurer Site steht: High-End – Content, ohne Umwege. Was sind die Umwege, die ihr damit meint â und warum nimmt sie trotzdem noch fast jeder?
âUmwegeâ sind fuÌr uns all jene unnötigen Schleifen , die klassische Produktionen heute oft noch durchlaufen muÌssen.
Das beginnt bei fragmentierten Workflows: mehrere Agenturen, externe PostproductionhĂ€user, Stock-Plattformen, Lizenzketten, Feedback-Loops uÌ ber mehrere Ecken. Dann kommen proprietĂ€re Tools dazu, die mit Credits, Subscriptions und Blackbox-Algorithmen arbeiten. Das fuÌ hrt nicht nur zu hohen Kosten, sondern auch zu wenig Kontrolle uÌ ber Daten, Stil und Reproduzierbarkeit. Am Ende verliert man Zeit, Budget und oft auch kreative Klarheit. Wir haben Soda Zitron Media genau deshalb anders aufgebaut â weniger AbhĂ€ngigkeiten, weniger Ăbergaben, weniger Interpretationsverlust und viel mehr Kollaboration durch die schnellere Produktion von Moods und Drafts.
Warum machen es trotzdem noch fast alle so?
Weil das System historisch gewachsen ist und fuÌr viele âgut genugâ funktioniert. GroĂe Strukturen sind trĂ€ge, und viele haben sich an die Intransparenz und die Kosten gewöhnt oder kennen schlicht keine Alternative, welche auf dem gleichen QualitĂ€tsniveau produzieren kann. Genau da setzen wir an. Wir zeigen, dass High-End-Content auch ohne diese Umwege möglich ist. Schneller, kontrollierter und oft deutlich effizienter.
„Wir stecken sehr viel Aufwand in Ăberzeugungsarbeit.“
Wo fÀngt ein Projekt bei euch eigentlich an? Was passiert in der Vorproduktion, bevor auch nur ein einziges Bild generiert wird?
Die gröĂte Fehlannahme bei generativer KI ist ja, dass man einfach âmal was rauslĂ€sstâ und es dann spĂ€ter schon irgendwie richtet. Diese Haltung ist im Grunde wie ein Urlaubsfoto auszudrucken und danach zu versuchen, Perspektive, Licht und Komposition noch zu verĂ€ndern. Das funktioniert nicht wirklich. Die entscheidenden Weichen werden vorher gestellt. Das heiĂt konkret, dass wir unsere VFX-Expertise in der Pre-Production anwenden. Erst dann âjagenâ wir das Ganze durch die KI, vermeiden so irgendwelche Basteleien nach Zufallsprinzip und gewĂ€hrleisten volle Kontrolle.
Gibt es Dinge, die ihr heute produzieren könnt, die vor zwei Jahren schlicht nicht möglich waren? Was war das zuletzt?
Auch vor zwei Jahren waren Videos auf diesem Niveau schon möglich. Viele talentierte 3D- und VFX -Artists haben schon vor Jahren erstaunliche Welten erschaffen. Der groĂe Unterschied ist, dass vergleichbare Kreationen heute mit einem Bruchteil des Aufwands umgesetzt werden können. Wir haben zu dritt innerhalb weniger Wochen ein 3D-animiertes 90-Sekunden-ErklĂ€rvideo produziert, wofuÌr fruÌher ein ganzes Team an Artists und eine Renderfarm notwendig gewesen wĂ€ren.
KI ist bei euch Werkzeug, nicht Selbstzweck â so steht es auf eurer Seite. Wann wird KI zum Selbstzweck, und wie merkt man den Unterschied?
KI wird zum Selbstzweck, wenn man nur noch Trends hinterherlĂ€uft, Ideen uÌ bernimmt und nachbaut, nur weil sie gerade technisch möglich sind. Bei uns steht die Idee im Vordergrund.
Was sollen Kunden mitnehmen, die einmal mit euch gearbeitet haben â nicht inhaltlich, sondern in der Art, wie sie danach uÌber Produktion denken?
Wir möchten KundInnen zeigen, dass die Grenzen des Mach- und Leistbaren inzwischen neu definiert wurden. Auch mit kleinem Budget und einer tollen Idee kann man groĂartigen Content produzieren. Man braucht kein 50 -köpfiges Marketingteam und kein 3D-Studio, um beeindruckende Bilder und Filme zu gestalten. Wichtig ist uns trotzdem der kollaborative Aspekt. Jeder hat nun Zugriff auf Tools, um mitzugestalten und seine kuÌ nstlerische Seite auszudruÌ cken. Am Ende soll ein Werk geschaffen werden, bei dem wirklich jeder was beitragen konnte.
Wo soll Soda Zitron in drei Jahren stehen?
An einem Punkt, an dem wir viele tolle Projekte umgesetzt haben. Dazu kommt ein eigenes KI-Tool aus Europa als Alternative zu den groĂen Plattformen. Und wir wollen auch selbst Geschichten erzĂ€hlen, also eigene Serien, eigene Formate. Wenn wir dabei noch ein bisschen frischen Wind in die österreichische Medienlandschaft bringen, umso besser.
Vielen Dank fĂŒr das tolle GesprĂ€ch!
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