Stephanie Meisl ist good at KI Tools und Teaching.

Stephanie Meisl, Filmproduzentin, Gr√ľnderin und K√ľnstlerin im New Technology Bereich gibt uns ihre Insights √ľber gesellschaftlichen Wandel, aber auch ihren eigenen beruflichen. Seit 2018 erforscht sie intensiv die Schnittstelle zwischen Kunst und k√ľnstlicher Intelligenz und beantwortet uns hier die Frage, was es hei√üt, menschlich zu sein, im Zeitalter der Maschinen.

Stephanie Meisl

Du hast eine Filmproduktionsfirma gegr√ľndet, geleitet und geschlossen, jetzt vermittelst du dein Wissen √ľber KI bzw. Kunst. Wie kam es dazu?

2018 arbeitete ich mit einem Dokumentarfilmteam aus Wien und Los Angeles. Kurz vor dem Cambridge-Analytica-Skandal vertiefte ich mich in die Welt des Microtargeting. Der Social-Media-Algorithmus zeigte mir vermehrt, was er dachte, dass mich ‚interessieren‘ w√ľrde. Es best√§tigten sich meine Bef√ľrchtungen, und mein Motto wurde ‚ÄúTame your algorithm before it forces you‚ÄĚ. Seitdem m√∂chte ich meine Erfahrungen teilen und auf die digitale Manipulation aufmerksam machen, die eher zunimmt.
Die Kunst brachte mich schlie√ülich zur√ľck zur KI-Thematik, insbesondere das Werk ‚Edmond de Belamy‘ des Pariser K√ľnstlerkollektivs Obvious. Dieses mit dem Algorithmus des Programmierers Robbie Barrat signierte Kunstwerk erzielte bei einer Auktion √ľber 400.000 Dollar. Die bis heute ungel√∂ste Frage lautet: K√∂nnen Maschinen uns Menschen als Kunstschaffende ersetzen?
Darauf folgte meine „Phase der Faszination KI“, beginnend mit einem Theaterst√ľck in Bozen, bei dem ich 2019 KI f√ľr Projektionen nutzte. Es folgten eine K√ľnstlerresidenz w√§hrend der Schmiede 2020, der Gewinn des Medienkunstpreises 2021 und das ungestillte Bed√ľrfnis, zu verstehen, was hier vor sich geht.
Der Paradigmenwechsel in der k√ľnstlichen Intelligenz ist zweifellos im Gange. KI kann uns realistisch simulieren, aber (noch) nicht ein Bewusstsein entwickeln, vor dem wir uns f√ľrchten sollten.
Bei der k√ľnstlichen Intelligenz handelt es sich um eine Technologie, die mittlerweile in der Lage ist, uns sehr realistisch zu simulieren. Das reicht aber (noch) nicht aus, um ein Bewusstsein zu entwickeln, vor dem wir uns f√ľrchten sollten.

„Bei der k√ľnstlichen Intelligenz handelt es sich um eine Technologie, die mittlerweile in der Lage ist, uns sehr realistisch zu simulieren. Das reicht aber (noch) nicht aus, um ein Bewusstsein zu entwickeln, vor dem wir uns f√ľrchten sollten.“
Photoimagination 2023

Inmitten all dieses digitalen Wandels und deiner Interessen, hatte die Pandemie au√üerdem gro√üe Auswirkungen auf eure Filmproduktionsfirma ‚Äď wie bist du damit umgegangen?

Um ehrlich zu sein, es war katastrophal. Wir hatten 6 Mitarbeiter:innen.
Bis 2022 waren, Alex Braschel und ich, recht zuversichtlich und wollten noch nicht aufgeben. Doch als Gesch√§ftsf√ľhrerin konnten wir anhand der Zahlen erkennen, dass es einfach nicht m√∂glich sein w√ľrde, die durch die Pandemie verursachten Sch√§den zu beheben. Um mich abzusichern und die GmbH zu entlasten, suchte ich mir eine zus√§tzliche Position und wurde als Projektmanagerin Teil des Teams von Martin Distl bei dmLIVE im mStudio der GroupM.

Letztendlich haben wir 2023 die schmerzhafte Entscheidung getroffen, das B√ľro zu schlie√üen und die GmbH zu liquidieren, um eine Konkurssituation zu vermeiden (relativ untypisch f√ľr √Ėsterreich ;)).
Der Schritt in die KI war meine Rettung.
Während der Pandemie sah ich, wie Kommunikationstheorien in Echtzeit durchgespielt wurden. Die Flut an Verschwörungstheorien und kritischem Teilen belastete mich. Der Fokus auf KI, NFT und Blockchain wurde meine Flucht. Die Pandemie mag vorbei sein, aber die KI bleibt.
Der fr√ľhe Einblick in die Welt der neuen Technologien erm√∂glichte mir, live am gr√∂√üten Forschungsprojekt der Menschheit teilzunehmen. Der Kurs ‚Business Analytics‘ an der Cambridge University of Law vertiefte meine Einsichten. Die Lockdown-Zeit nutzte ich intensiv, verfolgte KI-Jazz-Improvisationen und startete das KI-Projekt ‚Schiele’s Ghost‘ mit Martin Gasser.
Ich besch√§ftige mich mit Themen wie der Zul√§ssigkeit z.B. von Remixes und wie man damit umgehen soll, dass ganze Filme z.B. als Screenshots im Midjourney Datensatz verwendet werden; Oder, dass das Drehbuch von Metropolis laut US copyright bereits frei verf√ľgbar ist, in Europa jedoch noch jemand diese Rechte h√§lt In diesem Bereich gibt es viele Grauzonen und so viele offene Fragen, die am besten gemeinsam als Gesellschaft beantwortet werden.

Meine Erlebnisse flie√üen in Vortr√§ge, Keynotes und Workshops ein, in denen ich Erkenntnisse f√ľr Kunst und Kreativwirtschaft teile. Aktuell erforsche ich die Auswirkungen von KI-Tools auf die Filmindustrie und arbeite mit KimkaVienna an ‚MetropolisXAI‘. Die Herausforderung: Urheberrechte und Copyrights im Zusammenhang mit dieser Technologie. Die Themen reichen von der Zul√§ssigkeit von Remixes bis zur Nutzung von beispielsweise Filmscreenshots im Midjourney Datensatz. Grauzonen und offene Fragen, die die Gesellschaft gemeinsam beantworten sollte.

Und du selbst, wie gehst du mit diesen offenen Fragen um? ‚ÄúIch habe den Kaninchenbau betreten, mal sehen, wohin er mich f√ľhrt“, steht in deiner Bio, wo siehst du gerade die Benefits und wo Unsicherheiten in Bezug auf diese neuen Technologien?

Im Jahr 2021 formulierte ich diesen Satz und heute befinde ich mich noch immer tief im Kaninchenbau. Das vergangene Jahr 2023 war f√ľr mich pers√∂nlich aufregend und teilweise √ľberw√§ltigend, bedenkt man die rasante Entwicklung in so kurzer Zeit. Das kollektive gesellschaftliche Unwohlsein und der Ruf nach einer KI-Pause oder Regulierung sind mir bestens bekannt, basierend auf der Vorstellung, dass √ľberlegene Roboter die Menschheit √ľberfl√ľssig machen k√∂nnten – was dann?

Die Frage nach dem zuk√ľnftigen Einfluss von KI in unserer Gesellschaft sehe ich so: Einerseits spielt sie mit der M√∂glichkeit, uns oder geliebte Menschen in Form von Bots unsterblich zu machen. Andererseits arbeiten wir an Robotern, die in der Lage sind, unseren Haushalt zu f√ľhren – eine n√ľtzliche Entwicklung oder in Bereichen arbeiten, in denen die menschliche Arbeitskraft knapp ist, wie etwa in der Pflege. Offensichtliches Ziel ist es, diese Roboter menschen√§hnlicher zu machen und sie in die Lage zu versetzen, mit uns so menschen√§hnlich wie m√∂glich zu interagieren. Segen und Fluch zugleich. Es klingt dezent dystopisch, wenn man tiefer in diese Thematiken rein denkt.

Abgesehen von der Dystopie, die man nicht ganz ausklammern sollte, faszinieren mich vor allem die kreativen M√∂glichkeiten der genAI. Die Vorstellung, dass ich eines Tages einen Film genau so gestalten k√∂nnte, wie ich ihn mir vorstelle, reizt mich besonders. In meinem kreativen Prozess bin ich gerne die einsame Eule, die bis tief in der Nacht arbeitet. Stille und Konzentration sind f√ľr mich magisch, und in der Kunst muss ich oft allein sein, um in diesen kreativen Prozess eintauchen zu k√∂nnen.
Mit einem ChatBot kann ich bis vier Uhr morgens immer wieder die gleiche Frage stellen, an Texten arbeiten und sie verfeinern, bis ich vollkommen zufrieden bin.

Während ich also darauf warte, dass ich meine Filmideen mit Hilfe von KI-Tools alleine umsetzen kann, lerne ich bereits, wie ich diese Tools im kreativen Prozess einsetzen kann und erforsche die Grenzen des derzeit Machbaren. Es ist erstaunlich, was damit schon möglich ist.

Ich persönlich sehe in dieser Entwicklung eine große Chance! genAI sind Werkzeuge, die wir nutzen können, um Geschichten zu erzählen und unsere kreativen Visionen im kreativen Prozess umzusetzen.

Photopia 2023
„Einem ChatBot kann ich bis vier Uhr morgens immer wieder die gleiche Frage stellen, an Texten arbeiten und sie verfeinern, bis ich vollkommen zufrieden bin.“

Lass uns hier gleich ankn√ľpfen bei der gro√üen Chance dieser Werkzeuge, denn ‚Äúam Ende des Tages geht es immer um Storytelling‚ÄĚ sagst du selbst. Selbst wenn das so ist, √§ndern sich Geschichten ja, wenn sie kein Mensch erz√§hlt, oder?

Wenn wir genAI als Werkzeuge betrachten, vergleichbar mit der st√§ndigen Verf√ľgbarkeit einer Filmkamera in unseren Smartphones, sehen wir, dass die Flut neuer Kinofilme nicht sprunghaft angestiegen ist. Das Erschaffen eines Films bleibt ein langwieriger Prozess, getragen von Detailverliebtheit, Ausdauer und Expertise. Die wahre Magie liegt im Detail, und eine gute Geschichte filmisch zu erz√§hlen, beansprucht Zeit.
Bei KI-Einsatz m√ľssen wir das Ergebnis aktiv bewerten, √ľberarbeiten und verfeinern, bis es unseren Anspr√ľchen gen√ľgt. Der aktuelle Stand zeigt, dass KI ohne menschliche Intervention wenig bewirkt. Automatisierungen m√ľssen (noch) von Menschen aktiviert werden, und in einigen Fake News sind noch erkennbare Fehler. Es geht nichts √ľber den Finalen-Proof. Also auch wenn man diese Tools einsetzt, muss man, wenn man auf inhaltliche Qualit√§t Wert legt, das Ergebnis pr√ľfen.

Photoimagination 2023

Fakes erkennen ist das eine, aber die andere Frage nach der Kreativität bleibt: Könnte KI eines Tages Geschichten nach unserem Geschmack schreiben?

Jede Geschichte braucht ein:e Autor:in, √úbermittler:in und Empf√§nger:in. Die Art der Vermittlung durch Bilder, B√ľcher, H√∂rb√ľcher oder Musik muss genau √ľberlegt sein. Letztendlich entscheiden Nutzer:innen, wie und wo die Geschichte konsumiert wird.
Beispiel Netflix: Der Algorithmus versucht zu erraten, f√ľr welche Themen ich mich interessiere und schl√§gt entsprechende Filme vor. Aber meine Interessen √§ndern sich, und die On-Demand-Suche wird oft zu einer m√ľhsamen Kompromisssuche. Trotz der ‚ÄúORF Haushaltsabgabe‚ÄĚ (ehem. GIS) werden viele von uns nicht zum linearen Fernsehen zur√ľckkehren, wo andere f√ľr uns ausw√§hlen. Momentan sind wir noch den Algorithmen der On-Demand- und Social-Media-Plattformen ausgeliefert.
Diese √úberlegung f√ľhrt zu einer tieferen, kritischen Reflexion: Wie viele Filme kenne ich, ohne die Drehbuchautoren zu wissen? Und spielt das eine Rolle? Diese Frage zeigt eine gewisse Ignoranz meinerseits oder spiegelt einen gesellschaftlichen Tenor wider.
Die Marketing-Welt arbeitet an Entwicklungen wie behavioral- oder predictive targeting, und das wird höchstwahrscheinlich auch im Storytelling Einzug halten. Technologien gehen in Richtung maßgeschneiderter Inhalte.
Zusammengefasst: KI hat das Potenzial, uns mit maßgeschneiderten Inhalten zu versorgen, die genau auf unsere Vorlieben zugeschnitten sind. Avatare, synthetisierte Stimmen und generierte Welten könnten von der Realität kaum zu unterscheiden sein. Doch dieser Vorteil birgt die Gefahr einer Gleichschaltung der Kreativität. Wenn Algorithmen dominieren, besteht die Gefahr, in einem generierten Einheitsbrei zu enden. Besonders prekär ist dies im Super-Wahljahr 2024, wo politische Manipulation und Fake-Informationen zunehmen. Bereits jetzt gibt es unzählige Fake-Informationen und die politische Manipulations-Welle wird uns alle auf die eine oder andere Weise erfassen.
Die generelle Wertsch√§tzung kreativer Berufe steht zur Debatte. Je einfacher die Technik, desto g√ľnstiger die Umsetzung. Mit dem Einsatz von KI √§ndern sich kreative Arbeitstechniken. Ehrliche Anerkennung der Ver√§nderungen ist wichtig, ob wir am Fax festhalten oder mit neuen Technologien effizienter arbeiten.
Trotzdem sollten wir nicht aufhören, uns fragen, wie wir ein Gleichgewicht zwischen technologischer Innovation und der Bewahrung menschlicher Kreativität finden können.
Am Ende bleibt eine meiner Lieblingsfragen: What does it truly mean to be human in the age of machines?

Apropos Menschsein: Nehmen wir Aitana als Beispiel – eine von einer Agentur in Spanien k√ľnstlich erschaffene AI „Influencerin“, die auf Social Media viele Follower generiert und damit viel Geld verdient. Hier werden absurde Sch√∂nheitsideale gef√∂rdert, und die Kennzeichnung verschwimmt – kein Mensch, keine echten Geschichten. Wie siehst du das?

Bevor Aitana auf den Markt kam, stie√ü ich auf Lil Miquela, aufwendig in 3D gebaut und sogar in einem BMW-Werbespot im Oktober zu sehen. Ihre Instagram-Beschreibung lautet: ’19-j√§hriger Roboter, lebend in LA‘. Aitana beschreibt sich als ‚Barcelonas digitale Muse auf @theclueless.ai – Powered by AI‘. Die KI-Kennzeichnungen sind da, die Zielgruppe ist klar, und es funktioniert immer noch: ‚ÄúS*x sells‚ÄĚ.
Meine Kunstfigur s.myselle ist mein digitaler Zwilling, Avatar und AIfluencer-Projekt. Was passiert, wenn ich die bessere Version von mir digital sehe? Dieser Prozess wirft Fragen zur Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung auf.
Was ich an diesen digitalen Versionen sch√§tze, ist, dass sie mit der narzisstischen Selfie-Industrie konkurrieren. Diese Avatare m√ľssen nicht hungern oder zum Friseur gehen, verursachen keinen CO2-Aussto√ü durch Reisen und bringen dennoch Einkommen f√ľr die Menschen dahinter. F√ľr mich sind diese Influencer-Avatare Kunstwerke, die Absurdit√§t persiflieren und unsere Gesellschaft spiegeln. Sie l√∂sen notwendige Diskussionen aus.
Vor allem, wie wirklich die digitale Welt ist und wem wir in dieser digitalen Realit√§t glauben sollen. ‚Äú2016 the internet died‚ÄĚ, sagt die Dead Internet Theorie. Gemeint ist, dass automatisch generierte Inhalte, algorithmisch kuratiert von Bots, uns Menschen marginalisieren.
Ende des Tages werden wir viele ‚ÄúAvatare‚ÄĚ sehen, die uns auch viele wichtige Dinge erz√§hlen k√∂nnen. Die Relativit√§tstheorie von Einstein erkl√§rt zu bekommen, finde ich doch sehr ansprechend (lacht).

**Hinweis: Die Bilder dieses Interviews sind mit AI Tools bearbeitet bzw. erstellt worden.

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