Was letzte Preis?
Freelancertum mit Festpreisgarantie ist Luxus von gestern. Nicht zuletzt dank KI-inspirierter neuer Arbeitsmodelle und Sparplänen gewitzter Manager. Nun heißt es Leistungen penibel offenlegen und jedes Teilchen gegenrechnen. Schätzen, statt geschätzt werden. Wo bleibt der Respekt, fragt sich Passia.
Es war einmal ein Freelancer, der einen festen Tagessatz von mehreren hundert Euro aufrief. Die Inflation sei es gewesen, die seinen Preis in die Höhe trieb, das Finanzamt und die Krankenkasse am Puffer nagender Ballast, dessen Hunger niemals gestillt sein wird. Doch während dieser Freelancer einst Stirnrunzeln für seinen Preisaufschlag erntete, kann er nun von Glück reden, wenn die abwertende Regung nicht hinter Antwortabstinez auf Kundenseite verschwindet.
Heute steht er mit Mitbewerbern an der Front und kämpft nicht nur um Aufträge, sondern auch gegen Dumpingpreise. Billiger als auf dem Straßenstrich, schamloser als auf einem Bazar, was letzte Preis, da geht noch mehr, zieh dich aus, gleich hier und jetzt und zeig mir, dem Kunden, was du geben kannst für wenig Geld.
Freischaffend auf Sparflamme
Angebote schreiben gleicht Matheaufgaben, es wird Zeit gegen Leistung gerechnet und der Tagessatz in Stunden dividiert, doch Obacht, das Stündchen mehr könnte schon das Aus bedeuten, wenn der Kunde bereits die Daumschrauben um das Budget festgespannt hat. Und es wird noch enger. Im Kopf, dem vermeintlichen Zentrum von Gedankengut und Kreativität läuft der Anspruch auf ein Minimum, denn wie soll in ein paar Stunden, wo sonst Tage für genutzt werden konnten, die Qualität entstehen, hinter der man steht? Freischaffend auf Sparflamme, so heißt die Devise, der innere Kampf, das „ich will doch eigentlich mehr, aber will ich mich komplett verramschen?“
Ein Konflikt, aus dem es nur einen Ausweg gäbe, wenn Kunde König hinter all den Zahlen und Effizienz-Gedankenmauern wieder sieht, wer die Arbeit hier vollbringen mag: der Mensch. Einer, der zwar wie eine Maschine malochen kann, aber irgendwann auch an seine Grenzen kommt, nicht zuletzt finanzieller Natur. Einer, der eben kein fixes Einkommen aber fixe monatliche Ausgaben hat, immer gemessen an dem Gewinn des Vorjahres, was jetzt ist, das interessiert nicht.
Ich wünsche mich in eine Parallelwelt
Dies soll kein Jammern sein, auch wenn es weh tut, das Anbiedern, Anbaggern, sich gen eigenen Charakter richten und immer tiefer in den Arsch des Gegenübers graben, nur um den Zuschlag zu gewinnen.
Will man das, ich will es nicht und doch sitze ich hier und frage mich, was die charmanteste Antwort auf „letzte Preis“ sein soll. Gedanklich verlasse ich den Bazar und wünsche mich in eine Parallelwelt, in der man den Kreativen nicht als faule Sau der Gesellschaft degradiert hat, sondern als Arbeitskraft mit Fantasie. Vorstellungen, Wortgewandtheit und einer Schwäche für Visualität, die heute gern auf die schnelle Tour mit KI Tools und ohne Vorkenntnisse geregelt wird. Geht doch auch so, was braucht es mehr, ich sage es euch: uns.