Was treibt euch an? Worin seid ihr gut?
Uns treibt nach wie vor die Überzeugung an, dass starke Marken nicht durch mehr Werbung entstehen, sondern durch bessere Werbung. Durch Ideen, die Menschen tatsächlich interessieren. Darin sind wir gut, wie unsere Kampagnen für die Österreich Werbung, Shan’shi oder Samsung zeigen. Außerdem passen wir uns neuen Entwicklungen schnell an und schieben Veränderung nicht vor uns her. Ur nett sind wir übrigens auch.
Was unterscheidet euren Beratungsansatz von anderen Agenturen, und warum ist das relevant? Wie sieht das in Realität aus?
Für WNSP ist Integration nicht nur eine PowerPoint-Slide. Wie in deiner Einleitung erwähnt, arbeiten wir mit unseren Schwesteragenturen Mediaplus und Plan.Net Raum an Raum und können jederzeit auf ihre Media- bzw. Tech-Expertise zugreifen; genauso wie auf alle hochspezialisierten globalen Departments der Serviceplan Group, sei es zu den Themen AI, PR oder sogar Spatial Design, wenn es gefragt ist. Das ist ein unglaublicher Mehrwert für unsere Kund:innen, denen wir damit die Nähe einer lokalen Kreativagentur, gepaart mit internationalem Mindset bieten können. Diese Kombi haben wir Agenturen voraus, die lediglich weltberühmt in Österreich sind.
„Die meisten Brands scheitern nicht daran, dass sie zu wenig kommunizieren, sondern daran, dass sie einfach nichts Spannendes beizutragen haben.“
Wie wĂĽrdet ihr euren Zugang zu Markenarbeit in einem Satz beschreiben, ohne Buzzwords?
Du bist nicht deine Zielgruppe.
Gab es einen Moment, in dem euch klar wurde: So wie frĂĽher funktioniert das nicht mehr?
Der Moment, als jede Marke begann, selbstständig Content zu produzieren. Eigentlich ein schreckliches Wort, denn Content beschreibt bloß Menge, nicht Qualität. Eine vorhandene Einheit Information, unabhängig davon, ob sie brillant oder völlig belanglos ist. Hauptsache, irgendwas ist da. Inhalt des Inhalts willen. Jetzt, da AI Produktionsmöglichkeiten demokratisiert, wird Content nur noch quantitativer, noch austauschbarer werden. Allerdings ergibt sich daraus auch eine Chance für uns Agenturen: Wenn alle alles erzeugen können, wird die herausragende Idee wieder zum Wettbewerbsvorteil.
Was beobachtet ihr gerade, in der Branche, bei euren Kundinnen und Kunden, bei euch selbst?
Man spürt, dass alle, ob Kund:innen, Agenturen oder Partner:innen, auf die eine oder andere Art unter Druck stehen. Darum sind Branchenvertreter, die in den Medien vom Stärken des Standorts sprechen, gleichzeitig aber Pitches über jenseitige Stundensätze abstauben, so gar nicht hilfreich. Gleiches gilt im Punkt Kreativität. Das systematische, gegenseitige Runtertragen der besten Arbeiten des Jahres nahm beim heurigen CCA teils geschmacklose Ausmaße an. Das schadet uns allen und gibt ein peinliches Bild ab.
„Diese Kombi haben wir Agenturen voraus, die lediglich weltberĂĽhmt in Ă–sterreich sind.“
Welche strategischen Prinzipien braucht es heute, damit Marken langfristig relevant bleiben?
Eine Marke muss es heute schaffen, konsistent zu überraschen, oder zumindest nicht zu langweilen. Die meisten Brands scheitern nicht daran, dass sie zu wenig kommunizieren, sondern daran, dass sie einfach nichts Spannendes beizutragen haben. Grundrauschen wird gnadenlos weitergewischt. Wenn du mich fragst, auch völlig zurecht.
Gibt es Prinzipien, an denen ihr festhaltet, auch wenn sie unpraktisch oder unwirtschaftlich erscheinen?
Wir glauben nach wie vor an die nachhaltige Kraft großer Ideen. Das klingt banal, ist aber fast schon ein Gegenmodell zu einem angstgetriebenen Markt, der zunehmend kurzfristiger Optimierung verfällt. Der Unterschied zwischen beliebten und belanglosen Marken ist oft nur ein einziges Ja des CMO zum richtigen Konzept, siehe etwa Columbia Sportswear.
Wie fördert ihr Kreativität und Innovation innerhalb eures Teams?
Kreative Exzellenz entsteht nicht zufällig. Wir investieren kontinuierlich und ganz gezielt in Weiterbildung, Inspiration und internationalen Austausch: von der SPARK Academy, die jedes Jahr neue Young Creatives der Gruppe nach Cannes bringt, über interne Ideenwettbewerbe, bis hin zu regelmäßigen Deep Dives in die weltbesten Arbeiten. Wir tun viel dafür, dass unser Denken nicht stehen bleibt.
Wie nutzt ihr technologische Innovationen (KI), ohne eure Haltung als Marke oder Beratung zu verlieren?
Wir gehören zu einer Agenturgruppe, die massiv in AI investiert und weltweit zu den Vorreitern in diesem Bereich zählt. In Wien manifestiert sich das in unserer Unit „ACT – Artificial Craft & Transformation“, die wir im Frühjahr ’26 gelauncht haben. Ihr Grundsatz: AI ersetzt weder Urteilskraft noch Kreativität. Sie ermöglicht uns neue Wege der Umsetzung, die aber immer auf einer starken, menschlichen Idee gründen müssen.
Welche aktuellen Entwicklungen im Marketing inspirieren oder irritieren euch?
Inspirierend ist die wachsende Komplexität im Marketing. Klingt komisch, ist aber so. Kanäle werden mehr, Zielgruppen fragmentierter, Erwartungen höher. Genau da wächst der Wert starker Ideen und eines ganzheitlichen Blicks. Irritierend ist oft der Glaube, dass man Komplexität mit noch mehr Maßnahmen lösen kann. Meist ist das Gegenteil der Fall: Je komplexer das Umfeld, desto wichtiger werden Klarheit, Fokus und eine kreative Plattform, die alles zusammenhält.
„Grundrauschen wird gnadenlos weitergewischt. Wenn du mich fragst, auch völlig zurecht.“
Woran machst du den Erfolg eurer Arbeit fest, abseits von Reichweite oder Umsatz?
Daran, ob mich meine Gen-Z-Geschwister darauf ansprechen, ob eine Kampagne von uns ist. Daran, dass Kund:innen mutiger werden, weil sie gesehen haben, dass die kreativere Entscheidung auch die wirtschaftlich bessere war. Und daran, dass wir nicht ausschließlich von – btw. immer fragwürdiger besetzte – österreichischen Jurys abhängig sind, um Bestätigung für unsere kreative Qualität zu erhalten. Ganze 18 WARC Points in diesem Geschäftsjahr sowie der 1. Platz im Horizont-Kreativranking 2026 für internationale Auszeichnungen zeigen, dass wir konzeptionell ganz vorne mitspielen können. Für mich einer der schönsten Erfolgsnachweise.
Wenn ihr in fĂĽnf Jahren auf diese Zeit zurĂĽckblickt, was hofft ihr, werdet ihr dann anders oder besser gemacht haben?
Wer heute behauptet, genau zu wissen, wo die Reise hingeht, schwindelt. Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren sagen können: Wir lagen mit den meisten Entscheidungen richtig. Und wenn nicht, haben wir unsere Stärke ausgespielt und uns schnell genug angepasst. Am besten fragst du mich dann einfach nochmal.
Danke für das Gespräch, Matthias!
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