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Good At Artikel: Elena StarmĂĽhler

Pessimismus ist längst zur Gewohnheit geworden. Aber er verändert nichts. In ihrem Artikel schreibt Elena Starmühler darüber, warum Hoffnung mehr braucht als Optimismus: Gemeinschaft, Information, Haltung und den Mut, selbst ins Handeln zu kommen.

Über radikale Zuversicht, die Kraft echter Begegnungen und die Frage, was passieren könnte, wenn wir in der Kommunikationsbranche wieder näher zusammenrücken.
Kommt näher!

Seit zwei Jahren gibt es einen Grundtenor in vielen Branchen: Alles ist schlecht und wird auch immer schlechter. Natürlich stimmt, dass die aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Lage nicht allzu rosig ist, aber der Umgang damit ist entscheidend. Vielleicht ist es an der Zeit zu akzeptieren, dass Pessimismus uns auch nicht geholfen hat und sich die Welt nicht ändert, egal wie schlecht wir drauf sind.

Optimismus wartet, Hoffnung handelt
Bei der diesjährigen re:publica in Berlin kam in einem Beitrag folgender Gedanke vor: “Fuck optimism. It is a feeling that thinks it might get better. Hope on the contrary is active.” In diesem Fall galt die Betrachtung vor allem dem Rechtsruck in Europa, aber es lässt sich auf weitere Blickwinkel anwenden.

Besonders in Österreich sind wir gut darin, Negativität als anerkannte Haltungsform zu leben. Dabei bringt uns das in keiner Form weiter. Umgekehrt reicht es aber auch nicht, nur optimistisch zu sein und darauf zu warten, dass sich alles bessert. Passiv bleiben und darauf warten, dass sich jemand anderer darum kümmert. Wir brauchen mehr als das. Wir brauchen gelebte Haltung, gesunden Aktivismus. Wir brauchen radikale Zuversicht. So entsteht Motivation, so entsteht Freude und so entsteht Mut für Veränderung. Klingt erstmal pathetisch, aber das ist der Nährboden für Hoffnung.

Hoffnung braucht Gemeinschaft
Seit gut einem Jahr werden in-real-life-Events wieder wesentlich mehr: Brands schmeißen Parties, Influencer laden ihre Follower nach Ibiza ein und überhaupt wollen alle wieder mehr zum Anfassen haben. Woran liegt das? Lechzen wir so sehr nach persönlichen Verbindungen, nachdem wir sie während der Pandemie gänzlich verloren haben? Haben wir uns über Jahre zu sehr in digitaler Kommunikation gewälzt, sodass wir jetzt wieder Nähe spüren wollen? Es ist von allem etwas, aber vor allem zeigt es, dass es den Menschen mehr gibt als nur ein lustiges Goodie-Bag. Wir wollen Gemeinschaft spüren, denn auch das gibt uns Halt und Hoffnung. Gleichgesinnte zu treffen, zeigt uns, dass wir nicht alleine sind. Es gibt uns neue Blicke auf Dinge und Themen – und jeder Kontakt, den wir neu knüpfen, gibt uns ein wenig Motivation, weiter zu denken und aus dem eigenen Karussell zu kommen. Dass Brands das mehr und mehr nutzen, macht nur Sinn. Aber auch im realen Leben können kleine Dinner-Parties, Diskussionsrunden, thematische Spaziergänge, etc. helfen, dass wir als Gemeinschaft Hoffnung erlangen und mehr Ideen dafür entwickeln, was wir als Gruppe machen können, um unsere Tanzfläche wieder so zu gestalten, dass sie uns Spaß macht.

 

Hoffnung braucht Informiertheit
Ein zentraler Faktor von Hoffnung ist fundierte Meinungsbildung statt zugespitzter Feeds. Nur wer sich bei Menschen, Medien und Angeboten mit Expertise informiert, kann Perspektive darin erlangen, dass sich ernsthaft darum bemüht wird Probleme zu lösen. Das lässt nicht nur hoffen, sondern regt auch an, selbst aktiver zu werden und dadurch Selbstwirksamkeit zu spüren. Medien und Newsfluencer fluten unsere Devices. Eine konkrete Auswahl macht Sinn, um sich Themen übergeordnet, aber auch im Detail zu nähern. Das Angebot an Wissen ist schier unendlich und vor allem in Deutschland und Österreich qualitativ sehr hoch. Nutzen wir es! Lassen wir uns von Menschen inspirieren und animieren, die bereits in Vereinen tätig sind, die als Journalist:innen unterwegs sind oder die sich politisch engagieren. Die nicht so tun, als würden komplexe Probleme mit vermeintlich einfachen Antworten gelöst. Menschen, die sich der Komplexität stellen, statt an ihr zu verzweifeln. Hören wir hin, wenn sich unsere Branchen-Kolleg:innen nicht beschweren, sondern darüber erzählen, welche Forderungen sie eingebracht haben. Tauschen wir uns aus, wenn Projekte an die Wand rennen oder besonders gut laufen. Wir brauchen Information, sonst lässt sich keine Perspektive gestalten. Ohne Perspektive, keine Zuversicht.

Wer, wenn nicht wir?
Wie in vielen Branchen, würde auch der Kommunikationsbranche mehr Mut gut stehen. Nicht nur, wenn es darum ginge, auf die Barrikaden zu gehen, wenn unverhältnismäßige Pitch-Honorare ausgeschrieben oder Stundensätze verhandelt werden. Sondern auch, wenn es darum geht, die Wahrnehmung des Werts unserer Arbeit zu steigern. Wenn jemand für Hoffnung, für Aufwind, für Optimismus und für Motivation sorgen kann, dann sind es Kommunikator:innen. Was wir alles bewirken könnten.
Oder: Was wir alles bewirken werden, wenn wir näher zusammenkommen, aktiv und mit Freude zusammenwirken und so gemeinsam etwas verändern. Das macht doch Hoffnung, oder?

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